Wilde Harmonie

Das perfekte Zusammenspiel von Vertrauen, Achtsamkeit und Partnerschaft ist das, was sich viele im Leben wünschen. Bei der Bindung zwischen Falkner und Beizvogel wird dieser innige Wunsch gelebt. Nach vielen endlosen Tagen der Gewöhnung und darauffolgend vielen endlosen Tagen des Trainings sind Mensch und Tier miteinander verbunden – allerdings verliert sich dieses Paar nicht in alltäglicher Selbstverständlichkeit, sondern diese Beziehung bleibt durch die Unbezähmbarkeit der Wildvögel ein immerwährendes Abenteuer.

Fauststück und Federspiel

Stellt man sich vor, welche großen Strecken unsere heimischen Greifvögel in der freien Wildbahn zurücklegen, wird jedem sofort klar, wie außerordentlich wichtig tägliches Training und ein abwechslungsreicher Ausflug für den abgetragenen Greifvogel ist. Um das Jagdtraining für den Beizvogel spannend zu gestalten, hat die Falknerei in ihrer langen Historie unterschiedliche Methoden hervorgebracht, die meist an das ursprüngliche Beutegreifverhalten der Vögel angepasst sind. So verfolgt der Falke beispielsweise ein Federspiel und imitiert dadurch die Jagd auf einen Singvogel. Das Federspiel wird als ein kommunikatives Hilfsmittel zum Anlocken eingesetzt und stellt keine Attrappe einer speziellen Beuteart dar. Vorab hat der Falkner das Ledersäckchen mit angenähten Flügeln mit einem Leckerbissen (Atzung) präpariert, nun schwingt er es neben sich und stellt es dem fliegenden Beizvogel vor. Das Federspiel findet auf diese Weise sowohl zum Trainieren, aber auch zum Einholen Verwendung. Natürlich gibt es auch andere Attrappen, unter anderem aus Hasenfell, die dann für den Adler als Balg ein anregendes Ziel darstellen. Aber auch sie wird nicht zum Einstellen des Beizvogels auf eine spezielle Beuteart genutzt.

Soll der Beizvogel zum Falkner zurückkehren, wird er mit einem speziellen Lockruf und einer bekannten Geste auf die Hand geholt, dort erwartet ihn das Fauststück, ein besonders schmackhafter Fleischstreifen, als Belohnung.

Kommunikation und Konditionierung

Die Beziehung zwischen Greifvogel und Falkner basiert auf einer eingeübten Kommunikation, die für beide Seiten motivierend erscheint. Der Beizvogel hat gelernt, dass er ohne viel Aufwand von seinem Falkner sehr gute Nahrung erhält. Für den Vogel bedeutet der Flug zum Falkner also eine Belohnung. Durch diese Konditionierung bewirkt der Falkner im Training und auf der Jagd, dass der Vogel mit ihm oder dem Vogelhund interagiert, in der Erwartung, seine Belohnung zu erhalten. Die konsequente und gradlinige Beziehung zwischen Vogel und Falkner entsteht also zunächst durch Gewöhnung an das menschliche Umfeld und beim Einstudieren der Trainingsabläufe durch Konditionierung. Wobei aber zu bemerken ist, dass bei der Konditionierung von Greifvögeln keine Bestrafung, sondern nur positive Verstärkung möglich ist. Das Tier lernt also ausschließlich durch Belohnung. Erstaunlicherweise haben sich die Greifvögel in der mehr als tausendjährigen Geschichte der Falknerei nicht domestizieren lassen, sie bleiben also auch nach der Ausbildung zum Beizvogel wilde Tiere. Sie unterscheiden sich darin deutlich von ihren Teamkollegen, den Hunden.

Der Falkner hat nicht nur die Jagdstrecke als Motivation, sondern erfährt durch die vertrauensvolle Arbeit mit seinem Vogel und den Einklang mit der Natur eine besondere Zufriedenheit in seinem Leben.